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Eine letzte Email (10. Juni 2005)

... aus Nikko, ca. 2 Stunden nördlich von Tokio.
Leider hat es den ganzen Tag geregnet, so dass aus einer Bergtour nur zwei kleine Spaziergänge (einmal zu ein paar alten Tempeln, einmal zu einem Wasserfall) wurden. Und weil unsere Gastmama (sie kümmert sich wirklich ganz reizend um ihre Gäste... ständig kriegt man Obst und Süßigkeiten und und und...) in der Jugendherberge meinte, ich solle unbedingt in eine ehemalige Kaiser-Villa gehen, bin ich auch dort noch hin. Wie immer, wenn man etwas nicht wirklich eingeplant hat, war das der absolute Höhepunkt meiner zwei Tage hier.
Nikko ist nämlich eigentlich bekannt für seine vielen Tempel, die erstens relativ alt und im Vergleich zu anderen japanischen Tempeln, sehr reich und prunkvoll verziert und ausgestattet sind. Allerdings laufen da mal wieder so viele Touristen herum, dass das ganze (wie in Kyoto) irgendwie nicht mehr so richtig wirken kann... jedenfalls haben mich andere Orte schon mehr beeindruckt.
Die Villa, in der vor allem der letzte Kaiser und der jetzige Kaiser in seiner Kindheit gelebt haben, ist wirklich einmalig. Sie wurde erst vor kurzem frisch restauriert und so kann man sich ziemlich gut vorstellen, wie wunderschön das alles gewesen sein muss - es stimmt einfach alles bis ins kleinste Detail: aus allen Festern hat man einen exzellenten Blick auf den wunderschönen Garten, die Tatamimatten sind mit sehr hübschen Seidenrändern eingefasst, die Papierwände sind perfekt und die Verzierungen von den Nägeln sehr sehr stilvoll... ich konnte gar nicht anders als knipps knipps knipps viele Fotos zu machen!

Morgen geht es wieder zurück nach Tokio - das letzte Geld ausgeben ;-).
Ich war ja schon seit letzter Woche dort und bin jeden Tag stundenlang durch die Stadt gelaufen und war fast jeden Tag in mindestens einem Museum. Außerdem war ich in einer fuenfstündigen Aufführung des traditionellen Kabuki-Theater... ich hatte eigentlich erwartet, dass mir da irgendwann langweilig wird, aber es gab es sehr gutes System, mit dem man per Kopfhörer immer Erklärungen und Übersetzungen auf Englisch empfing - dadurch verstand man immer, was auf der Bühne vor sich geht (bzw. vor sich gehen sollte) und es war alles andere als langweilig. In den Pausen hatte ich meinen Spaß, die ganzen Japaner zu beobachten, wie sie ihr (sauteuren) Lunchpakete (im Theater gekauft) auspackten und verspeisten.
Am Wochenende verwandelt sich Tokio in eine einzige Einkaufsmeile - am lustigsten war es am Sonntag, wo ich in der Teenager-Shopping-Strasse war... man hätte meinen können, es ist grad Fasching, so aufgetakelt und verkleidet liefen sie herum. Die einen in weiß-schwarzen Rueschen, die anderen ganz in pink oder rot, einige schauten aus, als wären sie grade einem Jane-Austen-Roman entsprungen... sehr sehr seltsam. Unter der Woche tragen sie ihre oeden Schuluniformen und am Wochenende verkleiden sie sich dann so!
Was mich sehr wunderte, dass selbst in dieser Großstadt, um 10 Uhr abend mehr oder weniger die Gehsteige hochgeklappt werden - die letzten Kinovorstellungen beginnen um 19h (!!!), Konzerte & Theater gibt es vergleichsweise wenig und alle Geschäfte machen auch um acht zu... das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

So. Das war es mit Emails aus Japan :-) Am Samstag lande ich wieder in Frankfurt...

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