Ratet mal, wo wir heute waren? Genau! In dem Schloss, wo der Film "The Last Samurai" gedreht wurde: Himeji. Das letzte wirklich gut erhaltene Samuraischloss in Japan - alle anderen wurden spätestens während dem zweiten Weltkrieg zerstört.
Eigentlich sehr praktisch, jetzt muss ich euch nicht mehr erzählen, wie es ausgesehen hat - dazu müsst ihr ja nur den Film gucken! ;-)
Jedenfalls war es sehr beeindruckend, denn im Gegensatz zu der üblichen tradionellen Bauweise, sind die Grundmauern (ca. 10m hoch) des Schlosses aus übereinandergeschichteten Steinen und obendrüber war es so ähnlich wie ein Fachwerkhaus: Alle Kanten und Stützen aus Holz, dazwischen wieder Steine. Aussen alles weiß verputzt und innen sieht man die ganzen monströsen Holzbalken und -Stützen. In dem Haus wurde bestimmt einer halber Wald verbaut! Das Dach (wie auch alle anderen Häuser) ist mit schwarz glasierten Tonziegeln bedeckt. Außerdem hat das Schloss sechs Stockwerke (davon jedes zwischen 2,5 - 3,5 Meter hoch) ... es unterscheidet sich also schon sehr von dem sonst üblichen.
Vor allem wurde es wirklich sehr gut restauriert (das letzte Mal wurde das Schloss irgendwann im 15. Jahrhundert neu aufgebaut, nachdem es mal wieder abgebrannt war).
Drumherum ist ein riesiger Garten - wie immer darf nichts wachsen, wie es will, sondern alle Bäume werden in die Richtung gezogen, in der sie wachen sollen (wie große Bonsais), alle Büsche sind kugelrund zugeschnitten, und auch alle sonstigen Blumen und Gewächse wirken manchmal schon sehr künstlich.
Ganz in der Nähe vom Schloss sind wir noch in ein paar andere Gärten (Koko-en), die 1992 nach alten Plänen wieder hergerichtet wurden. Vielleicht, weil sie er vor so kurzer Zeit wieder angelegt wurden, vielleicht auch weil es dort mit der Künstlichkeit etwas übertrieben wurde, jedenfalls waren wir nicht besonders beeindruckt. Manchmal sind die Gärtern hier wirklich wie große Bilder, die man einfach nur stundenlang anschauen könnte - aber diese Gärten waren mir eindeutig zu sehr von Menschenhand geschaffen. Alle Steine um die Teiche (in denen dicke fette Goldfisch-Karpfen schwimmen) blitzblank sauber geputzt, alles Gras auf exakt 5 Milimeter gekürzt, viele Bäume sind voll von Bambusstäben, die die Zweige in irgendeine Richtung ziehen...
Man merkt auch langsam, dass wir uns den touristischen Gegenden von Japan nähern - in dem Schloss und den Gärten begegneten wir immer wieder einer Reisegruppe von etwas tatterigen Englischen Damen (mit einer ziemlich steifen Oberlippe - oder war es die Nase?), dicken Amerikanern und vielen anderen Ausländern.
Immer wenn wir einen ganzen Tag lang unterwegs sind, gibt's Mittagessen in einem Restaurant. Man sollte denken, das ist in Japan bestimmt kein Problem, denn es gibt ja an jeder Ecke drei Restaurants. Gibt es auch. Aber: wenn Papa dabei ist, ist das Restaurant-Suchen immer eine Prozedur von ca. zwei Stunden.
Erstens isst Papa keinen Reis, zweitens mag er kein Sushi ("Ich ess doch keinen kalten Reis"), drittens muss es natürlich noch billig sein, Nudelsuppe mag er auch nicht und schön sitzen will er obendrein. Und wenn möglich sollten auch alle Essen in einer Plastikversion im Schaufenster ausgestellt sein (zum Glück ist das meistens der Fall), damit man sich nicht mit einer japanischen Speisekarte quälen muss... *augenverdreh*.
Inzwischen haben wir aber eine Kaufhauskette entdeckt, in der es meisten eine Etage mit verschiedenen Restaurants gibt, die größtenteils die Ansprüche von Papa genügen.
Glücklicherweise gab es das Kaufhaus in Himeji und glücklicherweise gab es da auch ein akzeptiertes Restaurant.
Also gab es heute "Okonomiyaki", das sind zwei Omeletts und dazwischen Nudeln mit Gemüse und wahlweise Shrimp, Fleisch, Tintenfisch, oder Käse. Gemacht wird das ganze auf einer großen flachen Eisenplatte, die oft direkt in die Tische eingelassen sind. Heute war das auch so. Zwar kamen die Pfannkuchen schon fertig gebraten an den Tisch, aber auf der heissen Platte brutzeln sie dann noch bisschen weiter und bleiben schön warm. Sehr sehr lecker! Oishi, wie die Japaner sagen!